Teil 7

Geschichte der KI - Teil 7

Der Schachtürke: Die Illusion des Denkens und die öffentliche Debatte

Neben den echten mechanischen Wundern des 18. Jahrhunderts, wie den Automaten von Vaucanson, gab es ein Objekt, das die intellektuelle Debatte über künstliche Intelligenz am stärksten beeinflusste, obwohl es eine Täuschung war: der Schachtürke von Wolfgang von Kempelen. Diese Apparatur, die scheinbar selbstständig Schach spielte und menschliche Gegner besiegte, versetzte die Öffentlichkeit in Staunen und zwang Philosophen und Wissenschaftler zur Auseinandersetzung mit der Frage, ob eine Maschine tatsächlich kognitive Leistungen vollbringen könne. Die Geschichte der KI ist ein über Jahrtausende gewebter Teppich, der von Mythen, Magie und mechanischer Präzision durchzogen ist. Es ist eine fortlaufende Erzählung, die bis heute spannend ist und deren neuestes Kapitel gerade jetzt mit rasanten Entwicklungen fortgeschrieben wird. 

Wir, die GEO Agentur seowerk GmbH, machen unsere Kunden in diesen neu entstehenden KI Systemen sichtbar.

Die Maschine und die Performance

Der ungarische Erfinder Wolfgang von Kempelen (1734 bis 1804) präsentierte den Schachtürken erstmals 1770 am Hofe der Kaiserin Maria Theresia in Wien. Das Gerät bestand aus einem großen Schrank und einer überlebensgroßen Figur in orientalischer Tracht, dem sogenannten "Türken". Kempelen öffnete vor jeder Vorführung die Türen des Schranks, um das komplizierte mechanische Innenleben aus Zahnrädern, Hebeln und Zylindern zu demonstrieren und zu zeigen, dass sich kein Mensch darin verstecken konnte. Anschließend nahm der Türke am Schachbrett Platz und begann, seine menschlichen Gegner zu besiegen.

Die Illusion war perfekt. Das Publikum glaubte, einen mechanischen Schachspieler vor sich zu haben. Und Schach war damals wie heute der Inbegriff komplexer strategischer Intelligenz.

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Die Macht der Täuschung

Tatsächlich verbarg sich im Inneren des Schranks ein menschlicher Schachmeister. Durch ein ausgeklügeltes System von Spiegelscheiben, Schiebefächern und einer speziellen Sitzanordnung konnte der Bediener ungesehen agieren. Er nutzte zudem eine Art magnetisches System, um die Position der Figuren auf dem Brett von seinem Versteck aus zu verfolgen.

Der Schachtürke war somit keine KI, sondern ein früher Tele-Operator. Dennoch war sein Einfluss auf die Entstehungsgeschichte der KI immens:

  • Der Turing Test vor seiner Zeit: Der Türke bestand den visuellen und performativen Turing Test des 18. und 19. Jahrhunderts. Er überzeugte die besten Köpfe seiner Zeit, dass er intelligent handeln konnte.
  • Fokus auf Kognition: Im Gegensatz zu Vaucansons Ente, die biologische Prozesse simulierte, forderte der Türke die Zuschauer in einer rein kognitiven Disziplin heraus. Er stellte die Frage, ob Strategie und Logik mechanisiert werden könnten.

Die Entdeckung des Geheimen

Im Laufe seiner jahrzehntelangen Tournee durch Europa und Amerika, bei der er Persönlichkeiten wie Napoleon Bonaparte und Benjamin Franklin besiegte, versuchten viele, das Geheimnis des Türken zu lüften. Die Bemühungen, die Täuschung zu entlarven, waren im Grunde die ersten Versuche, ein Reverse Engineering an einem angeblich intelligenten System vorzunehmen.

Edgar Allan Poe schrieb 1836 den Aufsatz Mälzels Schachspieler, in dem er logisch begründete, dass der Türke von einem Menschen gesteuert werden musste. Poes Argumentation basierte auf der Feststellung, dass kein Mechanismus seiner Zeit in der Lage war, die Flexibilität, die Fehlerkorrektur und die strategische Tiefe des Schachspiels zu leisten.

Das Erbe für die KI

Der Schachtürke hinterließ ein doppeltes Erbe:

  1. Das Ziel wurde definiert: Die Überwindung des menschlichen Gegners in einem intellektuellen Spiel wurde zum Benchmark für künstliche Intelligenz (ein Ziel, das erst 1997 mit Deep Blue im Schach und 2016 mit AlphaGo im Go erreicht wurde).
  2. Die Täuschung als Methode: Die Performance des Türken inspirierte nachfolgende Generationen von Erfindern, sich intensiv mit der Automatisierung von Entscheidungsfindung und strategischer Planung zu beschäftigen. Er lieferte den emotionalen und intellektuellen Ansporn.

Obwohl der Türke selbst ein Schwindel war, zwang er die Menschheit erstmals dazu, die Leistungsfähigkeit mechanischer Systeme im Bereich der strategischen Kognition neu zu bewerten. Er war der lautstarke Impulsgeber für die Forschung, die beweisen wollte, dass das, was der Schachtürke nur vorgab zu tun, eines Tages eine echte Maschine leisten würde.

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